Nachrichten aus Riesi

(Deutscher Teil aus dem Mitteilungsblatt)
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Zwei­mo­nat­li­ches Bul­le­tin des Ser­vi­zio Cris­tia­no Wal­den­ser-In­sti­tut
Nr. 3+4, Mai/Juni + Juli/Aug. 2013 — 52. Jg./249

«Wenn ihr um­kehr­tet und stil­le­blie­bet, so wür­de euch ge­hol­fen; durch Stil­le­sein und Hof­fen wür­det ihr stark sein.»
Jesaja 30

Editorial

Von Gianluca Fiusco

Fiusco

Einer von zweien schafft es nicht

Die Zah­len der Istat-Sta­tis­tik be­tref­fend die Ar­beits­lo­sig­keit jun­ger Men­schen in Ita­li­en sind alar­mie­rend: 38,5 Pro­zent.Im März ha­ben rund 70'000 Frau­en ih­re Ar­beit ver­lo­ren, in einem Jahr sind es ins­ge­samt über 248'000 Men­schen un­ter 25 Jah­ren, die oh­ne Be­schäf­ti­gung sind.

In Sizi­li­en ist die­ser Zu­stand, wenn das über­haupt mög­lich ist, noch be­un­ru­hi­gen­der: einer von zwei jun­gen Men­schen hat kei­ne Ar­beit. Einer schafft es, einer schafft es nicht. Die­se miss­li­che La­ge wird nur von Ka­lab­ri­en über­trof­fen. Der Sü­den be­zahlt ein wei­te­res Mal den höch­sten Preis der Aus­wir­kun­gen der Kri­se. Das be­deu­tet eine stän­dig ge­rin­ger wer­den­de Zahl der Be­schäf­tig­ten und, was die Da­ten ver­schwei­gen, ein gro­ßer Ver­lust der Hoff­nung in die Zu­kunft einer gan­zen Ge­ne­ra­ti­on. Der Hoff­nung auf ein wür­de­vol­les Le­ben.

Die Zah­len sind er­schrec­kend, wenn man be­denkt, dass es rund 3 Mil­lio­nen Ita­lie­ner­In­nen sind, die kei­nen fes­ten Ar­beits­platz ha­ben, plus die Men­schen, die es auf­ge­ge­ben ha­ben, Ar­beit zu su­chen und sich der Kri­se er­ge­ben ha­ben. Schreck­li­che Da­ten, die auch in der so­zia­len Bi­lanz 2013 des Ser­vi­zio Cris­tia­no ih­re Spu­ren hin­ter­las­sen. Da­zu kom­men die Sta­tis­ti­ken über die zu­neh­men­de Ar­mut und Ver­ar­mung in Si­zi­li­en. Es emp­fiehlt sich, die­se zu le­sen. Die auto­no­me Re­gi­on Si­zi­li­en hat kein Geld mehr. Die Schul­den sind ver­gleich­bar mit de­nen Grie­chen­lands. Die Res­sour­cen gibt es nicht und fest steht oh­ne Zwei­fel: die Ver­schwen­dung und Plün­de­rung der öf­fent­li­chen Gel­der durch die Po­li­tik ha­ben das har­te Ge­setz der Re­zes­si­on ge­schrie­ben.

Sizilien ris­kiert wie Grie­chen­land zu kol­la­bie­ren. Es gibt kei­ne Kri­sen­be­wäl­ti­gungs­stra­te­gie und die Ge­fahr wird im­mer kon­kre­ter,^dass es nicht nur zu einem schwe­ren und of­fen­sicht­li­chen so­zia­len Miss­stand kom­men wird, son­dern die­ser Miss­stand wird da­rin en­den, dass gan­ze Be­völ­ke­rungs­grup­pen auf­grund von Er­pres­sung durch das Sys­tem sich bei den Fi­nanz­in­sti­tu­ten oder in den Fän­gen kri­mi­nel­ler Or­ga­ni­sa­tio­nen ver­schul­den und ver­fan­gen. Ge­ra­de in den ab­ge­le­ge­nen Ge­gen­den auf dem Dorf ist die­ses Ri­si­vvko hoch.

Wir befin­den uns im Wahn­sinn die­ses Wirt­schafts­sys­tems, wel­ches in der Kri­se, aber vor al­lem in der Angst vor der Kri­se ge­fan­gen ist. Es schei­tert je­der Ver­such, Ver­trau­en in das mensch­li­che Sys­tem zu ha­ben. In den Zu­sam­men­halt und die So­li­da­ri­tät un­ter Men­schen, die bis­her je­de ge­walt­tä­ti­ge und re­ak­tio­nä­re Be­we­gung ge­zü­gelt hat. Die Su­per­märk­te und Ein­kaufs­zen­tren sind voll von Men­schen, die dort lee­re Run­den dre­hen, sie be­trach­ten die Re­ga­le, aber sie kau­fen nichts, wie die Men­schen, die sich im Som­mer in einen Su­per­markt flüch­ten um die kli­ma­ti­sier­te Fri­sche zu ge­nie­ßen. Der west­li­che Wohl­stand, der un­kri­ti­sche Kon­sum, den wir ge­wöhnt sind und der un­auf­halt­sa­me Wil­le zu be­sit­zen, den wir ver­su­chen mit un­se­ren Not­wen­dig­kei­ten zu recht­fer­ti­gen, ist, da er so leicht zu er­rei­chen ist, ir­ra­tio­nal und un­aus­halt­bar ge­wor­den.

Riesi
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Die abgele­ge­nen Ge­gen­den ver­lie­ren sich in einem Meer ge­wal­ti­ger Schlä­ge: Hoff­nungs­lo­sig­keit, Not­be­hel­fe zum Über­le­ben in der das Ge­setz “Mors tua Vi­ta mea” (Dein Tod ist mein Le­ben) re­giert. Das Dra­ma die­ser Ge­schich­te ist, dass wir uns heu­te be­reits mit­ten in die­sem Wir­bel­sturm be­fin­den, in der Not­si­tua­ti­on. Sprich, die Zeit für sol­che Über­le­gun­gen ist schon vor­über. Ja sie füh­ren so­gar auch da­zu, dass die Hoff­nungs­lo­sig­keit und Re­sig­na­ti­on noch wächst, die re­ale und die ge­fühl­te.

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Zu all dem kommt noch eine Zu­nah­me von Kri­mi­na­li­tät, wie der Be­richt des Ap­pe­la­tions­ge­richts von Cal­ta­nis­set­ta zeigt: “Es muss eine leich­te Stei­ge­rung fest­ge­stellt wer­den, hin­sicht­lich der Häu­fig­keit und Kom­ple­xi­tät der Straf­ver­fah­ren (Min­der­jäh­ri­ge be­tref­fend). Heu­te muss ver­merkt wer­den, wie sich die be­gan­ge­nen Ta­ten zum Ne­ga­ti­ven ver­schlech­tern, oft ge­kenn­zeich­net von Ge­walt­aus­übung und noch häu­fi­ger nach­weis­lich von im­mer jün­ge­ren Tä­ter­In­nen. ” Da­rüber hin­aus ist die Zahl der Fest­nah­men durch Po­li­zei­kräf­te stark an­ge­stie­gen und auch die re­strik­ti­ven Maß­nah­men bei Er­mitt­lun­gen mit Ju­gend­straf­tä­ter­In­nen. Die Ge­mein­den Ge­la und Rie­si ge­hö­ren wei­ter­hin zu den be­son­ders alar­mie­ren­den Ge­bie­ten […], es gibt wei­ter­hin Hin­wei­se auf or­ga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät, bei der ver­sucht wird, Min­der­jäh­ri­ge in die il­le­ga­len Ak­ti­vi­tä­ten zu ver­wic­keln. Es ist kenn­zeich­nend, dass 2 von 3 ge­mel­de­ten Tat­be­stän­den im Ge­biet (Cal­ta­nis­set­ta und En­na) in Rie­si und Ge­la statt­fin­den und dass die­se Er­mitt­lun­gen Ju­gend­straf­tä­ter­In­nen be­tref­fen, die in ma­fiö­sen Ver­bin­dun­gen ste­hen.”

Die Zahlen des Amts­ge­richts in Cal­ta­nis­set­ta sind deut­lich: 34 der ein­ge­tra­ge­nen Straf­tat­be­stän­de be­tref­fen un­ter 14-Jäh­ri­ge!!! Letz­tes Jahr wa­ren es 62 be­trof­fene jug­end­li­che Straf­tä­ter­In­nen, es ist al­so leicht zu­rück ge­gan­gen. Aber die­ser Rück­gang be­ruht auf der Ver­la­ge­rung der Straf­ver­fah­ren in das Re­gis­ter der Zi­vil­ver­fah­ren. So haf­ten dann et­wa die El­tern für ih­re Kin­der oder die Min­der­jäh­ri­gen wer­den den El­tern ent­zo­gen und in Ein­rich­tun­gen un­ter­ge­bracht. Die er­fass­ten De­lik­te be­tref­fend se­xu­el­ler Ge­walt sind um 37% Pro­zent ge­stie­gen: in einem ein­zi­gen Jahr von 14 auf 22 Fäl­le. Das Bild ist trost­los, Ju­gend­li­che wer­den um ih­re Zu­kunft be­tro­gen und er­bar­mungs­los in eine so­zia­le Ord­nung hin­ein­ge­zo­gen, in wel­cher das Recht des Stär­ke­ren reg­iert.

Das ist das Umfeld, in dem wir ar­bei­ten. Wir wis­sen da­rum, dass je­des Un­ter­las­sen et­was ge­gen den so­zia­len Ein­sturz zu tun, der Trop­fen sein könn­te, der das Fass zum Über­lau­fen bringt. Sprich, zu dem uns von der christ­li­chen Ethik her eige­nen Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein, an­de­ren Men­schen zu hel­fen, kommt das Be­wusst­sein hin­zu, dass wir nicht mehr nur zu einer Grup­pe Per­so­nen an­ge­hö­ren, nicht zu einer Re­li­gi­on, son­dern zu einer tra­gen­den ver­ant­wort­li­chen Grup­pe in der ge­gen­wär­ti­gen Ge­sell­schaft.

Die biologische Landwirtschaft des Servizio Cristiano

Von Tano Caprizzi
Capizzi
Gemüse
Gemüse

Ich bin Tano Ca­piz­zi und ar­bei­te seit 25 Jah­ren in der Land­wirt­schaft im Ser­vi­zio Cris­tia­no. Ich küm­me­re mich lei­den­schaft­lich ger­ne um die 15 Hek­tar Ge­län­de. Der Oli­ven­hain be­steht aus al­ten und jun­gen Bäu­men, ins­ge­samt sind es 2'100 Pflan­zen. Da­zu kom­men 130 Man­del­bäu­me und ein Hek­tar mit Ge­mü­se­be­pflan­zung. Das Sai­son­ge­mü­se wird in der Kü­che für das Es­sen in der Schu­le ver­wen­det. Es bleibt ein Hek­tar Gar­ten rund um un­se­re Ge­bäu­de.

Im Jahr 1985 hat der Ser­vi­zio Cris­tia­no be­schlos­sen, bio­lo­gi­sche Land­wirt­schaft zu be­trei­ben. Wir wol­len un­se­re Kon­su­men­tIn­nen über den Oli­ven­an­bau, über den Land­schafts­schutz und die Res­sour­cen­pfle­ge in­for­mie­ren. Es ist uns wich­tig für ein vor­züg­li­ches Öl zu ga­ran­tie­ren, das aus den Früch­ten die­ser kost­ba­ren Er­de mit Sorg­falt ge­presst wird. Wir sind dar­auf be­dacht, die Qua­li­tät des Öls wei­ter­hin zu ver­bes­sern. Wir ach­ten auf die rich­ti­ge Be­schnei­dung der Oli­ven­bäu­me und die ge­eig­ne­te Pfle­ge.

Nachdem wir alle not­wen­di­gen Do­ku­men­te bei der zu­stän­di­gen Kon­troll­be­hör­de für bio­lo­gi­sche Land­wirt­schaft ein­rei­chen konn­ten und die­se über­prüft wur­den, wird auf un­se­rem neu­en Eti­kett jetzt das Bio­la­bel zu se­hen sein. Wir freu­en uns, jetzt auch der spe­zi­fi­schen Nach­fra­ge nach kon­trol­liert bio­lo­gisch her­ge­stell­tem Oli­ven­öl of­fi­zi­ell ge­recht zu wer­den.

Jetzt warten wir auf eure zahl­rei­chen Be­stel­lun­gen, denn wir brau­chen die Ein­nah­men drin­gend, um un­se­re so­zia­len Ak­ti­vi­tä­ten auf­recht er­hal­ten zu kön­nen.

Gemüse

Geld macht nicht glücklich

Von Nunzio Cosentino
Cosentino

Wenn mich Men­schen hier im Ser­vi­zio Cris­tia­no be­su­chen, stel­len sie am Schluss im­mer die­sel­be Fra­ge: Wie viel kos­tet das Gan­ze hier im Jahr? Und: Was kön­nen wir tun, um euch zu hel­fen? Wer ger­ne hel­fen möch­te und ins­be­son­de­re den Ser­vi­zio Cris­tia­no un­ter­stüt­zen möch­te, kann vie­le Din­ge tun:

Der Servizio Cris­tia­no braucht je­des Jahr 750'000 Euro um zu über­le­ben und um sei­ne Ak­ti­vi­tä­ten am Le­ben zu er­hal­ten. Ein Teil des Gel­des kommt von öf­fent­li­chen Gel­dern (12%), wei­te­re Ein­nah­men von un­se­ren Kun­din­nen und Kun­den (28%), auch von der Kir­chen­steu­er (40%) und schließ­lich die Un­ter­stüt­zung aus dem In- und Aus­land (20%). Der öf­fent­li­che Bei­trag hängt von der Re­gio­nal- und Na­tio­na­lpo­li­tik ab und ist folg­lich va­ria­bel, ja nach­dem wie so­zial­po­li­tisch die­se ein­ge­stellt sind. Die Re­gi­on Si­zi­li­en ist al­ler­dings dau­er­haft in einer fi­nan­zi­el­len und öko­no­mi­schen Kri­sen­si­tua­ti­on und setzt an­de­re Prio­ri­tä­ten. Dem­nach fal­len die­se Gel­der sehr un­ter­schied­lich aus und sind eine un­si­che­re Fi­nanz­kom­po­nen­te für den Ser­vi­zio Cris­tia­no.

Die Einnahmen durch die Men­schen, die un­se­re ver­schie­de­nen An­ge­bo­te nut­zen, sind we­ni­ger die Be­zah­lung von Dienst­leis­tun­gen, son­dern eher Be­trä­ge im Sin­ne einer Mit­ver­ant­wort­lich­keit. Es wä­re schön, die­se Din­ge kos­ten­los al­len an­bie­ten zu kön­nen, aber das wür­de eine Ge­ring­schät­zung bei der Be­völ­ke­rung nach sich zie­hen. Die Kun­din­nen und Kun­den sind un­se­re Schul­kin­der und de­ren Fa­mi­li­en. Dar­über hin­aus sind es Frau­en, die un­se­re An­ge­bo­te in der Fa­mi­li­en­be­ra­tungs­stel­le wahr­neh­men, Men­schen, die me­di­zi­ni­sche Un­ter­su­chun­gen in An­spruch neh­men (Screen­ing), un­se­re Be­su­cher­In­nen im Gäs­te­haus und al­le, die un­se­re bio­lo­gi­schen Pro­duk­te kau­fen. Die Gel­der von der Kir­chen­steu­er ge­ben un­se­rer Ein­rich­tung eine fi­nan­zi­el­le Sta­bi­li­tät und stär­ken un­se­re christ­li­che Iden­ti­tät. Die Un­ter­stüt­zung, die uns aus dem In- und Aus­land zu­kommt ist am in­ter­es­san­tes­ten. Wir be­kom­men gro­ße und klei­ne Be­trä­ge aus der gan­zen Welt. Und un­se­re Nach­rich­ten aus Rie­si wer­den tat­säch­lich an 4'000 Per­so­nen in 37 Län­dern ver­schickt. Das Wun­der­ba­re da­ran ist, dass un­se­re Schwes­tern und Brü­der uns nicht nur Spen­den schic­ken, son­dern auch Kon­takt mit uns auf­neh­men, uns schrei­ben, Ar­ti­kel kom­men­tie­ren und uns zu sich ein­la­den. Die­se in­ter­na­tio­na­le Ver­bun­den­heit ist der wah­re Grund für die Exi­stenz des Ser­vi­zio Cris­tia­no.

Die soziale Leis­tung des Ser­vi­zio Cris­tia­no ist sehr viel­sei­tig. Es gibt min­des­tens 30 Fa­mi­li­en in Rie­si und im Um­kreis, die nicht ge­zwun­gen sind in den Nor­den zu zie­hen. Denn 2012 sind rund 300 jun­ge Men­schen aus Rie­si weg­ge­zo­gen. Un­ge­fähr 130 Fa­mi­li­en kön­nen ih­re Kin­der von un­se­rem Schul­bus ab­ho­len las­sen, so müs­sen sie nicht das Auto neh­men, da­durch wird die Um­welt ge­schützt. In der Schu­le sit­zen cir­ca 150 Kin­der aus al­len so­zia­len Schich­ten ge­mein­sam im Un­ter­richt. Sie ha­ben die Mög­lich­keit, das na­tür­li­che Am­bien­te, un­se­re sport­li­chen An­ge­bo­te, die fried­li­che ge­walt­freie Aus­bil­dung, Mu­sik- und Fremd­spra­chen­un­ter­richt, Be­geg­nun­gen mit jun­gen in­ter­na­tio­na­len Men­schen, Grund­kennt­nis­se in In­for­ma­tik und eine gu­te Mahl­zeit am Tag zu ge­nie­ßen. Al­le Kin­der wer­den gleich be­han­delt, egal wo­her sie kom­men, ob sie reich oder arm sind, ob sie Schul­geld be­zah­len oder nicht.

In der Familien­be­ra­tungs­stel­le wer­den vie­le Frau­en un­ter­stützt, be­ra­ten, be­glei­tet und er­fah­ren auch Hil­fe in Hin­blick auf ge­sund­heit­li­che, fa­mi­liä­re oder bü­ro­kra­ti­sche Prob­le­me. Die Er­geb­nis­se der me­di­zi­ni­schen Un­ter­suc­hun­gen (Screen­ing) der Be­völ­ke­rung wer­den von So­zial­ar­bei­te­rIn­nen aus­ge­wer­tet, um die ge­sund­heit­li­che La­ge zu ver­bes­sern und die Be­dürf­nis­se in der Stadt dies­be­züg­lich zu er­mit­teln.

Der Besuch von Gäs­ten aus vie­len Tei­len der Er­de hier bei uns im Sü­den be­deu­tet für den Ser­vi­zio Cris­tia­no eine kul­tu­rel­le Be­rei­che­rung und ist ein wert­vol­ler Aus­tausch. In­dem vie­le Men­schen un­se­re bio­lo­gi­schen Pro­duk­te kau­fen, wird die Schöp­fung ge­schützt und außer­dem ha­ben Kon­su­men­tIn­nen einen dop­pel­ten Ge­winn: Sie er­näh­ren sich ge­sund und dar­über hin­aus hel­fen sie dem Ser­vi­zio Cris­tia­no.

Geld macht viel­leicht wirk­lich nicht glück­lich, aber eine wohl be­dach­te Spen­de kann ein klei­nes biss­chen Glück für an­de­re Men­schen be­deu­ten.

Riesi

Meine Erfahrungen im hauswirtschaftlichen Unterricht

Von Valentina Mallia
Mallia

Der hauswirt­schft­li­che Un­ter­richt ist eine wert­vol­le und wirk­sa­me Mög­lich­keit der Un­ter­stüt­zung von Kin­dern und de­ren Fa­mi­li­en. Die­ser lässt es zu, mit und für die Be­trof­fe­nen im All­tag zu ar­bei­ten und sie ziel­ge­rich­tet zu be­glei­ten. Im Lau­fe mei­ner Er­fah­rung als Er­zie­he­rin im häus­li­chen Be­reich des So­zial­zen­trums des Ser­vi­zio Cris­tia­no ha­be ich ge­lernt, dass mei­ne Ar­beit eine wich­ti­ge Un­ter­stüt­zung für Pie­tro und sei­ne Fa­mi­lie war.

Pietro ist 8 Jah­re alt, schmäch­tig und hat grü­ne Augen. Er ist in der Schu­le auf­grund von Lern­schwie­rig­kei­ten, ag­gres­si­vem Ver­hal­ten und man­geln­der Prä­senz der El­tern im schu­li­schen Kon­text auf­ge­fal­len. Als ich die Schwel­le zur pri­va­ten Welt sei­ner Fa­mi­lie über­schritt, wur­de ich als Ein­dring­ling wahr­ge­nom­men. Solch eine neue Her­aus­for­de­rung an­zu­neh­men ist wie ein Bild in vie­len ver­schie­de­nen Far­ben. Ge­nau­so tref­fen ver­schie­de­ne Ar­ten und Wei­sen zu le­ben (und das Le­ben zu füh­ren) auf­ein­an­der. Oh­ne je­des Ur­teil ha­be ich die Si­tua­ti­on be­obach­tet, zu­ge­hört und so ih­re Span­nun­gen und Un­ver­ständ­nis­se er­kannt.

Die familiären Schwie­rig­kei­ten be­las­te­ten Pie­tro und wa­ren da­mit der Kern sei­ner Prob­le­me. Die Mut­ter, eine kör­per­lich und psy­chisch in­sta­bi­le Per­son, ist ge­zeich­net von ge­sund­heit­li­chen Prob­le­men und such­te oft Hil­fe bei ih­rem Mann. Sie ver­such­te, sich und ih­rer Si­tua­ti­on Gel­tung zu ver­schaf­fen, aber der zwar lie­be­vol­le und sich be­mü­hen­de Va­ter, war mit der fi­nan­zi­el­len In­sta­bi­li­tät und der un­si­che­ren Ar­beits­si­tua­ti­on be­schäf­tigt.

Die Stimmung in der Fa­mi­lie war ziem­lich fros­tig und fest­ge­fah­ren. Pie­tro re­spek­tier­te kei­ne Re­geln, er er­fuhr kei­ne Un­ter­stüt­zung in sei­ner schu­li­schen Ent­wick­lung und ach­te­te über­haupt nicht auf sei­ne eige­nen Sa­chen. Pie­tros Augen und die sei­ner Fa­mi­lie ba­ten um Hil­fe, ih­re Blic­ke tra­fen mich und be­rühr­ten mich tief. Die an­fäng­li­che Be­klom­men­heit wur­de Stück für Stück durch die Ent­wick­lung einer Ver­trau­ens­ba­sis über­wun­den. Die Nä­he und die Be­reit­schaft zu­zu­hö­ren ha­ben der Mut­ter die Mög­lich­keit ge­ge­ben, ih­ren Schmerz über die Un­fä­hig­keit, ihr Kind zu er­zie­hen, zu tei­len und sich über ih­re Krank­heit und fi­nan­zi­el­len Schwie­rig­kei­ten mit­zu­tei­len. So wur­de ich zur ih­rer Ver­trau­ten.

Jedes Tref­fen bot Raum für Aus­tausch, Fra­gen und Mög­lich­kei­ten. Durch den häus­li­chen Un­ter­richt konn­ten Tag für Tag die schu­li­schen Män­gel von Pie­tro auf­ge­holt und das Selbst­wert­ge­fühl des Kin­des ge­stärkt wer­den. Ne­ben­bei konn­ten die El­tern in den Pro­zess mit­ein­be­zo­gen wer­den und die Ge­sprächs­be­reit­schaft und ak­ti­ve kon­ti­nu­ier­li­che Teil­ha­be an der Er­zie­hung konn­te wie­der auf­ge­nom­men wer­den. Pie­tros Mut­ter ist über ih­re Gren­zen hin­aus ge­wach­sen, in­dem sie ih­re Frus­tra­ti­on zu­ge­las­sen hat und die Ver­bun­den­heit und Zu­sam­men­ge­hö­rig­keit in der Fa­mi­lie stärk­te. Sie hat ihr Kind bei den Haus­auf­ga­ben be­treut und an schu­li­schen Tref­fen teil­ge­nom­men. Mit der zu­rück­ge­won­ne­nen Si­cher­heit konn­te sie das Haus auch wie­der in Ord­nung hal­ten und die Ver­bes­se­rung der täg­li­chen Er­näh­rung der Fa­mi­lie wie­der auf­neh­men.

Meine Prä­senz in der Fa­mi­lie war eine Stär­kung für die Fa­mi­lie, ih­re Kri­se zu über­win­den, das Le­ben hoff­nungs­voll an­zu­ge­hen und das Un­be­ha­gen zu­hau­se in ein freund­li­ches Mit­ein­an­der zu ver­wan­deln.

Riesi

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Meine Zeit im Servizio Cristiano

Von Julia Rüegger
Rüegger

Der Bericht von Julia Rüeg­ger ist se­pa­rat als Bei­trag un­ter «6. Div.Info» auf­ge­führt:

Julia Rüegger.

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(Verein der Schweizer Freunde des Servizio Cristiano – Riesi)

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