Nachrichten aus Riesi

(Auszug aus dem Mitteilungsblatt)
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Titelblatt
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Zweimonatliches Bulletin des Servizio Cristiano Waldenser-Institut
Nr. 4-5, Juli/Aug. + Sept./Okt. 2011 – 50 Jg./244

«Fürchte Dich nicht, liebes Land, sondern sei fröhlich und getrost;
denn der HERR kann auch große Dinge Tun.»
Joël, 2.21

AUF EIN NEUES

Liebe Freund­In­nen, ein neues Jahr be­ginnt, denn hier bei uns ist der Jah­res­be­ginn nicht am 1. Ja­nu­ar, son­dern fällt mit dem Be­ginn un­se­rer Ak­ti­vi­tä­ten und dem An­fang des Schul­jah­res im Sep­tem­ber zu­sam­men.

Eigent­lich ha­ben wir durch­ge­hend ge­ar­bei­tet und nicht ein­mal im Au­gust eine Pau­se ein­ge­legt, ob­wohl das in Ita­li­en so üb­lich ist. Da hat­ten wir näm­lich zwei äußerst sym­pa­thi­sche Grup­pen aus Schwe­den (von Woj­je Gruppe Ned­ze­wic ge­lei­tet, der ge­ra­de erst Va­ter des klei­nen Lu­ca Ales­sand­ro ge­wor­den ist) und von Deutsch­land (von Clau­dius Rück ge­lei­tet, der mit sei­ner sym­pa­thi­schen Art und Ener­gie den Auf­ent­halt sei­ner Grup­pe zu einem tol­len Er­leb­nis hat wer­den las­sen) zu Be­such.

Zu­dem ha­ben wir Ein­zel­rei­sen­de und Fa­mi­lien ver­schie­dens­ter Her­kunft be­her­bergt. Die Öff­nung des Ser­vi­zio Cris­tia­no im Au­gust be­stä­tigt, dass es mög­lich ist, die Frem­den­her­ber­ge das gan­ze Jahr zu öff­nen, ganz im Sin­ne evan­ge­li­scher Gast­lich­keit, die kei­ne Öff­nungs­zei­ten kennt. Man muss sich nur rich­tig or­ga­ni­sie­ren.

Gelände

In der Tat, die Her­aus­for­de­rung, der wir uns stel­len müs­sen, liegt ge­nau auf der Li­nie der neu­en Or­ga­ni­sa­tion: es gilt, neue We­ge zu be­schrei­ten, um al­le un­se­re Gäs­te wür­dig zu em­pfan­gen, neue We­ge, um die Kin­der von Rie­si in ih­rer Schul­lauf­bahn am Ser­vi­zio Cris­tia­no zu be­glei­ten, neue so­zia­le Stra­te­gien, um er­folg­reich die Ver­nach­läs­si­gung, die Ge­walt und die lso­lie­rung zu be­käm­pfen.

Küche

So ge­hen wir in ein neu­es Jahr, wohl wis­send, dass je­de Er­fah­rung, die sich vom Bis­he­ri­gen un­ter­schei­det, erst ge- und er­lebt wer­den muss, be­vor sie be­ur­teilt wer­den kann. Ja, je­de neue Ge­leg­en­heit kann gar nicht an­ders als schön sein, weil sie uns hilft, neue Er­fah­run­gen zu sam­meln. Neu­es, das auf den ers­ten Blick ne­ga­tiv war und un­se­re Kräf­te auf eine har­te Pro­be ge­stellt hat, hat im­mer ein gu­tes En­de ge­habt, die Ar­beits­grup­pe ge­stärkt, und uns er­mög­licht, krea­tiv neue For­men der Ak­tion und des Zu­sam­men­seins zu ent­wic­keln.

Dies war und wird nicht im­mer mög­lich sein; ab und zu wer­den wir si­cher schmerz­haf­te nö­ti­ge Schrit­te un­ter­neh­men müs­sen, um wür­dig mit neu­em Schwung in die Zu­kunft zu ge­hen.

Esssaal

Ita­li­en ist heu­te ein Land mit vie­len Prob­le­men und be­her­bergt viel Un­si­cher­heit und Be­sorg­nis, eine Tat­sa­che, die dar­auf­hin­weist, wie weit die Un­fä­hig­keit der Po­li­ti­ker und der Re­gie­rung reicht, die lei­der bis heu­te un­ser Land in der Welt ver­tritt.

Wir möch­ten hier un­se­ren Freund­Innen sa­gen, dass Ita­li­en nicht gleich Ber­lu­sco­ni ist.

Ita­li­en ist eben­so we­nig nur Be­ste­chung in der öf­fent­li­chen Ver­wal­tung.

Ita­li­en ist auch nicht nur die Aus­beu­tung der Frau als bar­ba­ri­sches Ob­jekt eini­ger Macht­ha­ber.

Und Ita­li­en ist si­cher auch nicht das der frag­wür­di­gen Fern­seh­über­tra­gun­gen, die man se­hen kann.

Kreuz

Der Ser­vi­zio Cris­tia­no ver­sucht in sei­nem täg­li­chen klei­nen oder gro­ßen Ein­satz, die Däm­me zu er­rich­ten, die dem Ab­drif­ten der Ge­sell­schaft, was man ihr auf­zwin­gen möch­te, Ein­halt ge­bie­ten.

Un­se­re Hoff­nung ist, da­bei nicht al­lei­ne zu sein, wenn wir mit den Letz­ten Si­zi­liens und Rie­sis ein wür­di­ges Le­ben tei­len wol­len.

Dies ist die Di­men­sion der Aga­pe, der Lie­be, auf die wir nicht be­reit sind, zu ver­zich­ten. In die­sem Sin­ne, auf ein Neu­es.

KINDERGARTEN UND GRUNDSCHULE

Der po­si­ti­ve Trend hat sich auch in den Ein­schrei­bun­gen für das Schul­jahr 2011/12 be­stä­tigt, wel­che die Mar­ke von 160 Kin­dern in Kin­der­gar­ten und Grund­schu­le über­schrit­ten ha­ben, was ja im vo­ri­gen Jah­re nur knapp ver­fehlt wur­de.

Die­se Zah­len sind Aus­druck des Ver­trau­ens in uns al­le, Ver­trau­en in die­je­ni­gen, die hier in Rie­si le­ben und ar­bei­ten, in Euch al­le, die Ihr die­sen Rund­brief lest und uns hel­fend zur Sei­te steht, über­all in der Welt.

All dies ist eine Be­stä­ti­gung für un­ser Han­deln, das es den Kleins­ten er­lau­ben soll, nicht vom Stru­del der Läh­mung und des Schwei­gens er­grif­fen zu wer­den, der hier zur Wirk­lich­keit ge­hört.

Die­ses Ver­trau­en hin­ter­frägt uns auch und for­dert uns auf, je­den Tag über un­ser Han­deln und die Be­weg­grün­de, eine Schu­le zu füh­ren, Rech­nung ab­zu­le­gen.

Wir wol­len kei­ne Su­per­hel­den sein und sind es nicht. Wir müs­sen uns je­doch be­wusst sein, dass der Un­ter­richt an Kin­dern kei­ne Ar­beit wie je­de an­de­re ist, son­dern eine Mis­sion.

Sport

Wir sind der Mei­nung, der Un­ter­richt sei eine uni­ver­sa­le, evan­ge­li­sche Mis­sion. Wir al­le ha­ben die Gna­de Got­tes um­sonst em­pfan­gen und kön­nen des­halb nicht un­tä­tig vor un­se­ren er­zie­he­ri­schen Ver­ant­wor­tun­gen ste­hen blei­ben.

Die Re­gion Si­zi­lien streicht wei­ter­hin die Geld­mit­tel für den Lehr­be­trieb zu­sam­men. Die Stadt­ge­mein­den tun, was sie noch tun kön­nen, aber sie kön­nen im­mer we­ni­ger tun.

Die Alter­na­ti­ve für ganz vie­le Kin­der wä­re die Un­mög­lich­keit der Bil­dung, die doch ein Grund­recht dar­stellt. Wir se­hen, was ge­schieht; ja, es ist zum Grei­fen nah, und des­halb ar­bei­ten wir, da­mit das Recht auf Bil­dung nicht zu einem Pri­vi­leg für we­ni­ge wird.

Wir ha­ben die Räu­me der Schu­len re­no­viert, die Aus­stat­tung mit Lehr­mit­teln ver­bes­sert und die Ar­bei­ten am Spei­se­saal be­gon­nen.

All dies aber reicht nicht aus; das wis­sen wir. Des­halb ha­ben wir mit Be­ginn die­ses Schul­jah­res zu­sätz­lich die Fort­bil­dung des Per­so­nals an­ge­fan­gen.

Mehr Aus­stat­tung heißt nicht nur neue Mö­bel, Ta­feln, Com­pu­ter usw., es heißt auch, dem Per­so­nal kul­tu­rel­le Fä­hig­kei­ten zu ge­ben, Fä­hig­kei­ten, die beim Leh­ren und in der Kom­mu­ni­ka­tion hel­fen, Fä­hig­kei­ten, die uns zum Dia­log zwin­gen und uns das Ge­setz der Ver­schie­den­heit auf­drän­gen, das für uns un­er­läss­lich ist, um uns Ser­vi­zio Cri­stia­no nen­nen zu kön­nen.

Des­halb ar­bei­ten wir auch in der Schu­le mit den Frei­wil­li­gen, die aus dem Aus­land kom­men, aber auch mit El­tern und mit Per­so­nen mit ent­spre­chen­den Be­ru­fen zu­sam­men.

Thea­ter- und Mu­sik­grup­pen sind heu­te in den Hän­den krea­ti­ver Män­ner und Frau­en aus Rie­si, die uns kos­ten­los un­ter­stüt­zen und mit uns die Eh­re tei­len, die Kin­der auf­wach­sen zu las­sen.

In die­sem Jahr wer­den sich um die mehr als 160 Kin­der fol­gen­de Per­so­nen küm­mern: Pep­pe De­bi­lio (Sek­re­tär), Ro­sa­lia Bal­di (Kon­takt­per­son), Ri­ta Gam­ma­cur­ta, Ma­ri­sa Zuc­ca­là, Ma­ri­nel­la Pu­gli­si, Giu­si An­zal­di, Li­na Bi­lar­di, Sil­via Mic­ci­chè.

GESUNDHEITS- UND SOZIALE DIENSTE

Über­all Farb­sprit­zer, was für eine Ka­ta­stro­phe! So ha­ben sich uns die Räu­me in der Via Pri­mo Mag­gio nach der Som­mer­pau­se prä­sen­tiert. Beim Ho­beln fal­len Spä­ne. So ha­ben al­le Mit­ar­bei­ter­In­nen die­ser Diens­te mit viel Ge­duld ge­ar­bei­tet, um die Räu­me wie­der wohn­lich er­schei­nen zu las­sen.

Der gu­te Pep­pe Ba­sti­le, ver­ant­wort­lich für den Un­ter­halt, hat die Ma­ler­ar­bei­ten, die Ar­bei­ten an der Hei­zung, an der Ein­gangs­tür und vie­les an­de­re ge­lei­tet, um das Ge­bäu­de wie­der funk­tions­fä­hig zu ma­chen.

Ultraschallgerät

Dank einer groß­zü­gi­gen Ga­be und der Freund­schaft der west­fä­li­schen Lan­des­kir­che, die an­läss­lich der 50-Jahr-Fei­er des Ser­vi­zio Cri­stia­no ih­ren Wil­len kund­ge­tan hat, die­se dia­ko­ni­sche Ein­rich­tung in Si­zi­lien wei­ter­hin zu un­ter­stüt­zen, ha­ben wir end­lich ein neu­es Ul­tra­schall­ge­rät, das sei­nen Dienst für die Be­völ­ke­rung Rie­sis tun wird.

Die­ses Ge­rät ist not­wen­dig für das von uns durch­ge­führ­te Scree­ning so­wie für die gy­nä­ko­lo­gi­sche und all­ge­mein­me­di­zi­ni­sche Ar­beit. Es ist ein mo­der­nes und sehr zu­ver­läs­si­ges Ge­rät, das den Be­dürf­nis­sen de­rer, die ärzt­li­che Hil­fe brau­chen und oft nicht das nö­ti­ge Geld ha­ben, voll­kom­men ge­recht wird.

Denn dies ist der Sinn un­se­rer Ar­beit im Ge­sund­heits­be­reich. Wir be­we­gen uns vol­ler Stolz außer­halb der Markt­lo­gik, wel­che die Pa­tien­ten zu Kun­den de­gra­diert und ärzt­li­che Hil­fe als han­del­ba­re Wa­re be­trach­tet. Wir müs­sen keine Be­rufs­grup­pen ver­tei­di­gen und kei­ne Pri­vi­le­gien ver­tu­schen.

Wir ken­nen die dra­ma­ti­sche La­ge der Ar­men, die drin­gend ärzt­li­che Hil­fe brau­chen, all de­rer, die al­lein sind und nicht wis­sen, wie sie die The­ra­pien be­kom­men kön­nen, die sie so drin­gend brau­chen, und de­rer, die sonst eine Rei­se der Hoff­nung un­ter­neh­men müss­ten, um eine le­bens­wich­ti­ge Diag­no­se zu er­hal­ten.

Wir ken­nen sie, und wenn wir ih­nen hel­fen, schüt­zen wir auch ihre Pri­vat­sphä­re. Auf die­se Wei­se möch­ten wir al­len die Wür­de zu­rück­ge­ben, die ih­nen so oft ent­zo­gen wird, weil Ge­fäl­lig­kei­ten zur Re­gel wer­den, und weil die Ver­län­ge­rung der War­te­zei­ten zum Vor­zim­mer des En­des wird.

Wir al­le brau­chen Mut, vor al­lem die Mit­ar­bei­ter­In­nen die­ses Diens­tes, da­mit sie nicht ka­pi­tu­lie­ren, den Ver­su­chen der De­nun­zia­tion nicht er­lie­gen, den Ver­su­chen der Ver­un­glim­pfung, die uns in Rie­si aus­gren­zen will.

Ein­satz und Mut. Auch Un­ter­stüt­zung. Si­cher, auch fi­nan­ziel­le Un­ter­stüt­zung, aber nicht nur. Uns ge­gen­sei­tig zu un­ter­stüt­zen, heißt, sich fur die Prob­le­me zu in­ter­es­sie­ren, Rie­si zu be­su­chen, uns per Brief Eure Nä­he aus­zu­drüc­ken.

Oft er­reicht man mit we­ni­gen Wor­ten mehr als mit tau­send Re­den. Schließ­lich sind wir zum Han­deln ge­ru­fen durch das eine Wort, das Chris­tus den Fi­schern am See sag­te: Folgt mir nach.

Des­halb la­den wir al­le ein, uns zu “fol­gen” die Ent­wick­lung un­se­rer Ar­beit zu ver­fol­gen und uns hier in Rie­si auf­zu­su­chen. Im üb­ri­gen hat die 50-Jahr-Fei­er ge­zeigt, dass Rie­si nicht so weit ent­fernt liegt, dass es nicht er­reich­bar wä­re.

VERANSTALTUNGEN

Feier 50 Jahre

Der Ser­vi­zio Cri­stia­no hat die Ein­la­dung des Bür­ger­meis­ters von Rie­si, Sal­va­to­re But­ti­gè, an­ge­nom­men, sich den Bür­ger­In­nen ver­mehrt zu prä­sen­tie­ren. Wäh­rend der 50-Jahr-Fei­er hat­te der Bür­ger­meis­ter die­se Ein­la­dung aus­ge­spro­chen, eine schö­ne Ein­la­dung, vol­ler Lei­den­schaft vor­ge­tra­gen, die wir nicht ins Lee­re fal­len las­sen wol­len.

Wir wol­len un­se­ren Teil voll er­fül­len, und dies in der Hoff­nung, dass die In­sti­tu­tio­nen auch ih­ren Teil da­zu bei­tra­gen, oder gar mehr.

Festredner

Rie­si er­war­tet, dass die In­sti­tu­tio­nen ein Bei­spiel ge­ben, dass sie ver­su­chen, et­was über die Haus­halts­zwän­ge und die Sor­gen hin­aus zu tun, die oft als Aus­rede ge­se­hen wer­den.

So ist der Schul­jah­res­be­ginn am 27. Sep­tem­ber mit einer öf­fent­li­chen An­sprache ge­fei­ert wor­den. Der Titel: “EIN HAL­BES JAHR­HUN­DERT IM EIN­SATZ FÜR DIE ER­ZIE­HUNG DER KIN­DER IN RIESI”: An die­sem Fest­akt ha­ben teil­ge­nom­men: Prof. Pao­lo Ric­ca (Theo­lo­ge, eme­ri­tier­ter Pro­fes­sor der Wal­den­ser­fa­kul­tät in Rom), Giu­sep­pe Mic­ci­chè (Schul­lei­ter), Prof. Gio­van­ni Lom­bar­do (Schul­lei­ter in Ren­te und Mit­glied des Exe­ku­tiv­ko­mi­tees des Ser­vi­zio Cri­stia­no).

Festredner

Dann fin­det am 19. Ok­to­ber ein Vor­trag von Prof. Ser­gio Ro­sta­gno (eme­ri­tier­ter Pro­fes­sor der Wal­den­ser­fa­kul­tät in Rom) zum The­ma “Chri­sten­tum und De­mo­kra­tie” statt, zu dem Pa­stor Giu­sep­pe Fi­ca­ra die ein­lei­ten­den Wor­te spre­chen wird.

Festakt in der Kirche

Die­se Ak­ti­vi­tä­ten des Ser­vi­zio Cri­stia­no fin­den in den Räu­men der Wal­den­ser­kir­che von Rie­si statt, um auch da­mit den Wil­len zu un­ter­strei­chen, den Bür­ger­In­nen ent­ge­gen­zu­kom­men und nicht ab­zu­war­ten, dass die­se bis zu uns kom­men.

FREIWILLIGE

Die­ses Jahr sind zehn Frei­wil­li­ge im Ser­vi­zio Cri­stia­no prä­sent. Je­des Jahr ma­chen wir uns tau­send Sor­gen: Wie wird die Grup­pe sein? Wer­den sie sich in Rie­si wohl­füh­len? Und un­ter­ein­an­der? Wer­den sie uns in der Ar­beit hel­fen oder die Ar­beit kom­pli­zier­ter ma­chen?

All das sind Fra­gen, die auf­grund der Er­fah­run­gen aus der Ver­gan­gen­heit in uns auf­stei­gen, aus den schlech­ten und de­struk­ti­ven Er­fah­run­gen, die teil­wei­se die Per­so­nen ge­gen­ein­an­der auf­ge­bracht ha­ben, an­statt Be­zie­hun­gen zu schaf­fen. Diese Fra­gen stel­len wir uns auf mensch­li­che Wei­se, oh­ne un­se­re Schwie­rig­kei­ten aber auch un­se­re Er­war­tun­gen zu ver­schwei­gen. Da­bei neh­men wir auch Rück­sicht auf die Er­war­tun­gen, wel­che die jun­gen Men­schen, die sich Jahr für Jahr ent­schlie­ßen, einen lan­gen Zeit­raum ih­res Le­bens in Rie­si zu ver­brin­gen.

Der Frei­wil­li­gen­dienst wan­delt sich stän­dig. Die Ge­set­ze, die ihn auf staat­li­cher und euro­pä­ischer Ebe­ne re­geln, las­sen ihn in ste­ti­gem Wan­del sein. Aber auch die Or­ga­ni­sa­tio­nen, wel­che die Frei­wil­li­gen nach Rie­si ent­sen­den, än­dern sich. Mit­ten in die­sen Än­de­run­gen be­fin­den wir uns hier im Ser­vi­zio Cri­stia­no. Vie­le Fak­to­ren spie­len da­bei eine Rol­le, ob der Frei­wil­li­gen­dienst ein tol­les Er­leb­nis wird oder aber lang­wei­lig und frust­rie­rend ist. Je­des Jahr sind wir Zeu­gen, wie neue jun­ge Men­schen zu uns kom­men, mit ih­nen vie­le Er­war­tun­gen, ab und zu auch Gleich­gül­tig­keit, wenn nicht gar Des­in­ter­es­se. Es ist nicht im­mer leicht, an der Dy­na­mik in der Frei­wil­li­gen­grup­pe zu ar­bei­ten, die sich in die Ge­samt­dy­na­mik des Ser­vi­zio Cri­stia­no ein­bet­tet. Es ist nicht leicht ge­we­sen, Schwie­rig­kei­ten der Ver­gan­gen­heit, Un­ver­ständ­nis und Aus­ein­an­der­set­zun­gen auf­zu­ar­bei­ten. Teil­wei­se schmerz­haf­te Ver­let­zun­gen ha­ben Nar­ben hin­ter­las­sen. Aber vor al­lem wol­len wir all de­nen un­se­re An­er­ken­nung aus­drüc­ken, die sich für kur­ze oder lan­ge Zeit in Rie­si auf­ge­hal­ten ha­ben. Mit ih­rem Ein­satz ha­ben sie uns al­le ge­stärkt und un­se­re Er­fah­run­gen be­rei­chert. Die Grup­pe die­ses Jah­res hat von An­fang an einen po­si­ti­ven Wil­len zum Dia­log und zur Zu­sam­men­ar­beit ge­zeigt. Ja noch mehr, sie hat uns al­len eine Lek­tion über die au­then­ti­sche Deu­tung des Verbs “zu­sam­men­ar­bei­ten” ge­ge­ben.

Zu­sam­men­ar­beit nicht als Kon­zes­sion, fast als Bet­tel­ga­be, des Über­flüs­si­gen. Die­se jun­gen Men­schen ha­ben ge­zeigt, dass Zu­sam­men­ar­beit be­deu­tet, die Din­ge zu­sam­men zu er­le­di­gen: dei­ne An­stren­gun­gen wer­den zu mei­nen, dei­ne Ar­me un­ter­stüt­zen mei­ne, wenn sie sich mü­de füh­len. Die­se Zu­sam­men­ar­beit braucht kei­ne An­fra­ge! Sie funk­tio­niert ein­fach auf­grund der Auf­merk­sam­keit für den an­de­ren. Die­se jun­gen Men­schen ha­ben in den ers­ten Wo­chen ge­zeigt, dass der an­de­re nur dann in mei­nem Sinn ge­gen­wär­tig ist, wenn er in mei­nen Ab­sich­ten an­we­send ist und ich ihn oder sie nicht um Hil­fe zu bit­ten brau­che.

Zu­sam­men­ar­beit ist nicht eine Fra­ge, auf die je­der die Ant­wort gibt, die er oder sie will. Zu­sam­men­ar­beit ist eine Hal­tung, die mit dem Wil­len, den ich ha­be oder nicht ha­be, die Ar­beit des An­de­ren zu se­hen, als ob es mei­ne wä­re. Zu­sam­men­ar­beit ist eine Hal­tung, die nicht miss­braucht und sich nicht miss­brau­chen lässt, nur weil der An­de­re we­ni­ger ar­bei­ten will.

Zu­sam­men­ar­beit ist eine evan­ge­li­sche Hal­tung, zu­sam­men das Netz für den Fisch­fang zu zie­hen, zu dem wir al­le be­ru­fen sind, ist die fünf Bro­te und zwei Fi­sche des Gleich­nis­ses zu su­chen, sich hin­zu­set­zen, um sie zu ver­tei­len, das ge­mein­sa­me Brot bre­chen.

Zu­sam­men­ar­beit ist eine mensch­li­che Hal­tung.

In die­ser Ge­sell­schaft, die nur aus In­di­vi­du­en be­steht, die sich auf das Fern­se­hen stützt, ist Zu­sam­men­ar­beit ein auf­ein­an­der Zu­ge­hen, wo auch im­mer der An­de­re sich be­fin­det: auf dem Feld, um Oli­ven zu sam­meln, in den Toi­let­ten der Schu­len, die voll von Müll sind, im Bü­ro mit­ten in einem Berg von Rech­nun­gen, wäh­rend das Te­le­fon wie ver­rückt klin­gelt, auf dem Dach, um ein Loch zu flic­ken, durch das Re­gen­was­ser ins Ge­bäu­de ein­dringt.

Bis­lang hat die Grup­pe uns al­len dies ge­lehrt, und sie hat es mit Ein­fach­heit ge­tan, oh­ne es her­vor­zu­he­ben, in al­ler Stil­le. Es sind dies: Lea Eck­hoff, Im­mo Jans­sen, Fran­zis­ka Steu­del, Chri­sto­pher Zey­er, Mar­kus Alt­rich­ter, Fe­lix Tay­lor, Ka­ro­li­ne Has­sel­gru­ber, Isa Höll­dob­ler, Han­na Fi­scher. Wir sind da­für dank­bar, neh­men sie ger­ne auf und hof­fen, dass trotz der Schwie­rig­kei­ten dies­es Jahr der An­fang einer schö­nen und lan­gen Freund­schaft mit dem Ser­vi­zio Cri­stia­no ist.

Gruppe

 
oben von links nach rechts: Isa, Hanna, Franziska, Lea, Karoline
untern von links nach rechts: Felix, Immo, Christopher, Markus

Unterwegs mit Riesi


 

AASR — Associazione Amici Svizzera Riesi
(Verein der Schweizer Freunde des Servizio Cristiano – Riesi)

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