Eindrücke aus Sizilien, Ende April 2015

von Ines Rivera

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Lampedusa

Die Be­obach­tungs­sta­ti­on ge­hört zum zwei­tei­li­gen Pro­jekt «Me­di­ter­ra­nean Hope». Und be­steht seit einem Jahr. Es sind (auf 2 Jah­re ver­pflich­tet) Mar­ta Ber­nar­di­ni (vom FGEI, ita­lie­ni­scher Bund evan­ge­li­scher Ju­gend­li­cher) und Fran­ce­sco Piob­bi­chi, die für das Os­ser­va­to­rio ver­ant­wort­lich sind. Sie le­ben mit den Ein­hei­mi­schen und be­obach­ten ge­nau, was pas­siert und mel­den es wei­ter an Pres­se, an Kir­chen usw. Gu­te Kon­tak­te mit ka­tho­li­scher Pfar­rei und mit Imam. Dank ih­rer Kon­tak­te sind sie an Ort, wenn die Schif­fe an­kom­men, brin­gen Ers­te-Hil­fe, Dec­ken, Was­ser, se­hen, wer die Ge­stran­de­ten sind (wel­che Na­ti­on, über­mü­det, krank, un­be­mit­telt?). Die An­kom­men­den wer­den dann vom ita­lie­ni­schen Staat in ein Em­pfangs­zent­rum ge­bracht. Dort hin­ein dür­fen die bei­den nicht. Von Lam­pe­du­sa wer­den die Flücht­lin­ge per Flug­zeug nach Si­zi­li­en ge­bracht, in ver­schie­de­ne Zent­ren. Dann per Bus auf die ita­lie­ni­schen Re­gio­nen ver­teilt.

Lam­pe­du­sa war im­mer ein An­ker­platz für Schif­fe und Schiff­brü­chi­ge. Die Be­völ­ke­rung ist gross­zü­gig und hilfs­be­reit, sehnt sich nach Ru­he und Nor­ma­li­tät. Re­por­ter kom­men und ge­hen, ver­brei­ten oft Falsch­mel­dun­gen oder spie­len et­was hoch. Mi­li­tä­ri­sche Prä­senz auf der In­sel. Lam­pe­du­sa hat kein Spi­tal, nur ein klei­nes Am­bu­la­to­ri­um. Al­les muss nach Lam­pe­du­sa mit Schif­fen ge­bracht wer­den, Le­bens­mit­tel, Was­ser usw. Bei schlech­tem Wet­ter muss man eben war­ten.

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Foto: Ines Rivera, 24.4.2015

Als der Papst kam, wur­de ein Sport­platz ge­braucht, al­les ab­mon­tiert, und dann ein Jahr lang kein Fuss­ball mehr ge­spielt, bis ita­lie­ni­sche Fuss­bal­ler mit Ma­te­ri­al ka­men und In­stal­la­tio­nen an­brach­ten.

Es hat al­te Grot­ten, frü­her gin­gen See­leu­te dort­hin und fan­den Nah­rung, lies­sen wie­der Nah­rung zu­rück. Jetzt sind es Ge­bets­plät­ze für Chris­ten und Mus­li­me. Kei­ner­lei Prob­le­me zwi­schen den Re­li­gio­nen.

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Zu­sam­men mit Sant'Egi­dio for­dert «Me­di­ter­ra­nean Hope», Vi­sa­mög­lich­kei­ten in Nord­af­ri­ka. «Hu­ma­ni­ta­rian Desk» in Ma­rok­ko wird ge­plant, dort sol­len Bot­schaf­ten Vi­sas für euro­päi­sche Län­der aus­stel­len, nach Kon­tin­gen­ten.

Es herrscht eine Art 3. Welt­krieg, sagt Mar­ta. Man möch­te Auf­fang­la­ger in Nord­af­ri­ka ein­rich­ten oder gar mit Droh­nen Flücht­lings­schif­fe zer­stö­ren. Aber Flücht­lin­ge kom­men auch ohne «Ma­re Nost­rum», (die bis 2014 funk­tio­nie­ren­de ita­lie­ni­sche Hil­fe), sie kom­men aus Not. Wir er­in­nern an Men­schen­rech­te, die uni­ver­sal sind.

Siehe auch: www.mediterraneanhope.wordpress.com

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Casa delle Culture in Scicli am 27.4.2015

Der zweite Teil von «Mediterranean Hope».

Wir wol­len nicht in­te­grie­ren, son­dern ein­an­der mit un­sern Kul­tu­ren be­geg­nen, er­zählt uns Con­cet­ta, eine der an­ge­stell­ten Mit­ar­bei­te­rin­nen. Wenn man sich kennt, wird al­les an­ders.

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Foto: Ines Rivera, 24.4.2015

Wir über­neh­men Leu­te aus dem über­füll­ten Zent­rum in Poz­zal­lo. In Si­zi­li­en gibt es 5'000 Plät­ze in den of­fi­zi­el­len Zent­ren und wei­te­re in pri­va­ten wie wir eine sind. Un­ser Ziel ist, un­be­glei­te­te Min­der­jäh­ri­ge auf­zu­neh­men und einen Le­bens­ab­schnitt mit ih­nen zu ge­stal­ten: Ver­wand­te in Euro­pa zu fin­den (das or­ga­ni­siert das von der Fe­de­ra­zio­ne del­le Chie­se evan­ge­li­che ge­führ­te Mi­gra­tions­bü­ro in Rom), Be­rufs­wün­sche klä­ren. In Poz­zal­lo sind ges­tern 300 Men­schen an­ge­kom­men, d.h. in ganz Si­zi­li­en 1'000 Per­so­nen an einem Tag. Das Al­ters­heim der Wal­den­ser in Vit­to­ria ist zur Hälf­te nun mit Mi­gran­ten be­setzt.

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Foto: Ines Rivera, 24.4.2015

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Wir ge­ben kein Geld, auch kein Ta­schen­geld. Aber wir be­zah­len al­les, Klei­der, Es­sen, In­ter­net, Coif­feur usw.

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Foto: Ines Rivera, 24.4.2015

Heute sind 6 Er­wach­se­ne nach Vit­to­ria ver­legt wor­den. Mo­men­tan ha­ben wir Frau­en und Neu­ge­bo­re­ne. Eine Frau aus So­ma­lia hat Kind auf Schiff ge­bo­ren. Ein Kind wur­de hier ge­bo­ren, 2 Ta­ge, nach­dem wir im De­zem­ber er­öff­net hat­ten. Als die Frau aus dem Spi­tal zu­rück­kam, mach­ten wir ein Fest. Was für ein Se­gen für uns al­le, dass un­se­re Ar­beit hier mit einem neu­en Men­schen­le­ben be­gann! Eine 19-Jäh­ri­ge ist im vier­ten Mo­nat schwan­ger, sie hat im re­gio­na­len Got­tes­dienst am Tag zu­vor ein Lied ge­sun­gen.

Das Haus dient auch für Vor­trä­ge, Kur­se und De­bat­ten zum The­ma Mi­gra­ti­on. Das Haus war frü­her eine Art Ba­zar, nach dem To­de des Be­sit­zers ha­ben sei­ne Töch­ter es uns ver­mie­tet. An­fäng­lich gab es Dro­hun­gen und Schmä­hun­gen, stän­dig war Po­li­zei in der Nä­he, ein­mal be­stell­te je­mand eine Am­bu­lanz, weil er mein­te, hier wür­den sich die Leu­te schla­gen, was über­haupt nicht der Fall war — jetzt geht es gut.

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Für die Ad­mi­ni­stra­ti­on, den Haus­halt und die pä­da­go­gi­schen Auf­ga­ben ha­ben wir An­ge­stell­te und Frei­wil­li­ge. Dar­un­ter auch sol­che, die Eng­lisch und Tig­ri­na re­den.

Offi­zi­ell wer­den die Leu­te nur mit Num­mern be­zeich­net, nicht so bei uns.

Ines Rivera

 

Faltblatt des «Mediterranean Hope»

Mediterranean Hope

Italiano

CASA DELLE CULTURE

La Casa delle Cul­tu­re ha se­de a Sci­cli (RG). Si trat­ta di una strut­tu­ra po­li­va­len­te in gra­do di ac­co­glie­re fi­no a 40 mig­ran­ti. È im­pe­gna­ta a rea­liz­za­re va­ri pro­gram­mi in­ter­cul­tu­ra­li ri­vol­ti tan­to agli ospi­ti del­la Ca­sa che ai si­ci­lia­ni. In ques­ta fa­se la Ca­sa del­le Cul­tu­re ospi­ta sog­get­ti vul­ne­ra­bi­li co­me mi­no­ri non ac­com­pa­gna­ti e don­ne so­le con bam­bi­ni. Co­eren­te­men­te con il suo no­me, la Ca­sa del­le cul­tu­re pro­muo­ve azio­ni so­cia­li e cul­tu­ra­li fi­na­liz­za­te all'in­te­gra­zio­ne, al dia­lo­go ed al­lo scam­bio in­ter­cul­tu­ra­le. An­che a Sci­cli, MH pro­muo­ve re­ti di col­la­bo­ra­zio­ne con alt­re as­so­cia­zio­ni lo­ca­li, sia lai­che che ecu­me­ni­che ed in­ter­re­li­gio­se. ·

MEDITERRANEAN HOPE

Me­di­ter­ra­nean Hope (MH) è un pro­get­to del­la Fe­de­ra­zio­ne del­le chie­se evan­ge­li­che in Ita­lia, na­to dal­la co­scien­za del­la dram­ma­ti­ca si­tua­zio­ne dei mig­ran­ti dai pae­si del Nord Af­ri­ca, dall' Af­ri­ca Sub sa­ha­ria­na e dal Me­dio Ori­en­te che via ma­re cer­ca­no di rag­giun­ge­re le co­ste si­ci­lia­ne e, in par­ti­co­la­re, l'avam­po­sto più me­ri­dio­na­le co­sti­tui­to dall'iso­la di Lam­pe­du­sa.

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Mediterranean Hope

English

THE HOUSE OF CULTURE

The House of Cul­tures (Ca­sa del­le Cul­tu­re) is ba­sed in Sci­cli (Ra­gu­sa, Si­ci­ly). It is a mul­ti­pur­pose fa­ci­li­ty ac­co­mo­da­ting up to 40 mig­rants and is com­mit­ted to crea­ting in­ter­cul­tu­ral pro­grams in­vol­ving both the house guests and lo­cals. At this stage, the House of Cul­tures pro­vi­des shel­ter to vul­ne­rab­le people such as un­ac­com­pa­nied mi­nors and single wo­men with child­ren. In kee­ping with its na­me, the House of Cul­tu­res al­so pro­mo­tes so­cial and cul­tu­ral ac­tion, in­teg­ra­tion, dia­logue and in­ter­cul­tu­ral ex­change. In Sci­cli, MH pro­mo­tes col­la­bo­ra­ti­ve ac­tions with other lo­cal as­so­cia­tions, in­clu­ding se­cu­lar, ecu­me­ni­cal, and in­ter­faith or­ga­ni­sa­tions.

MEDITERRANEAN HOPE

Mediter­ra­nean Hope (MH) is a pro­ject of the Fe­de­ra­tion of Pro­te­stant Chur­ches in Ita­ly, born from the aware­ness of the dra­ma­tic si­tua­tion of mig­rants from coun­tries in North Af­ri­ca, Sub­Sa­ha­ran Af­ri­ca and the Midd­le East who try to reach the coast of Si­ci­ly by sea and, in par­ti­cu­lar, the sou­thern­most point of the is­land of Lam­pe­du­sa.

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Deutsch

HAUS DER KULTUREN

Das Haus der Kul­tu­ren (Ca­sa del­le Cul­tu­re) steht in Sci­cli (Ra­gu­sa, Si­zi­li­en). Es han­delt sich da­bei um eine Mehr­zweck-Struk­tur, die in der La­ge ist, bis zu 40 Flücht­lin­ge auf­zu­neh­men. Sein Auf­trag ist die Durch­füh­rung von in­ter­kul­tu­rel­len Pro­gram­men so­wohl für die Gä­ste des Hau­ses als auch für die Ein­hei­mi­schen. Das Haus be­her­bergt be­son­ders ver­letz­li­che Per­so­nen, so un­be­glei­te­te Ju­gend­li­che, al­lein­ste­hen­de Frau­en mit Kin­dern und schwan­ge­re Frau­en. Wie der Na­me des Hau­ses an­deu­tet, wer­den so­zia­le und kul­tu­rel­le Ak­tio­nen lan­ciert zum Zweck der In­te­gra­ti­on, des Dia­logs und des in­ter­kul­tu­rel­len Aus­tauschs. Die MH be­treibt in Sci­cli auch in­ten­si­ve Zu­sam­men­ar­beit mit an­de­ren, lo­ka­len Or­ga­ni­sa­tio­nen, so­wohl welt­li­chen als auch öku­me­ni­schen und in­ter­re­li­giö­sen.

Mediterranean Hope

Dieses Projekt wird vor allem gesponsert von «Otto per mille» (8‰ Steuer) an die Valdenser Kirche.

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MEDITERRANEAN HOPE

«Mediterranean Hope» (MH) ist ein Pro­jekt des Bun­des Evan­ge­li­scher Kir­chen Ita­li­ens, ent­stan­den aus dem Be­wusst­sein um die dra­ma­ti­sche Si­tua­ti­on der Mi­gran­ten aus Nord­af­ri­ka, aus Af­ri­ka süd­lich der Sa­ha­ra und aus dem Mitt­le­ren Os­ten, die ver­su­chen, übers Meer die si­zi­lia­ni­sche Küs­te zu er­rei­chen, ins­be­son­de­re den süd­lichs­ten Punkt, die In­sel Lam­pe­du­sa.

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Français

MAISON DES CULTURES

La « Maison des Cul­tures » (Ca­sa del­le Cul­tu­re) se re­trou­ve à Sci­cli (Ra­gu­sa, Si­ci­le). C'est une struc­ture po­ly­va­len­te ap­te à ac­ceuil­lir une qua­ran­tai­ne de ré­fu­giés. El­le est en me­sure de dé­rou­ler des pro­gram­mes di­vers in­ter­cul­tu­rels soit pour les hô­tes de la mai­son soit pour la po­pu­la­tion lo­cale. Ac­tu­el­le­ment la Mai­son des Cul­tures héber­ge des in­di­vi­dus spé­cia­le­ment vul­né­rables com­me des ado­le­scents seuls, des fem­mes seu­les avec des en­fants et des fem­mes en­cein­tes. Co­hé­rent au nom del la mai­son, elle est pro­mo­trice d'ac­tions so­cia­les et cul­tu­rel­les à l'in­ten­sion de l'in­té­gra­tion, du dia­logue et de l'échan­ge in­ter­cul­tu­rel. À Sci­cli, MH se ba­se aus­si sur des ré­seaux de col­la­bo­ra­tion avec d'autres or­ga­ni­sa­tions lo­cales, qu'elles soyent laï­ques ou écu­mé­ni­ques in­ter­re­li­gieuses.

MEDITERRANEAN HOPE

« Mediterranean Hope » (MH) est un pro­jet del la fé­dé­ra­tion des ég­lises évan­gé­li­ques en Ita­lie, né de la con­science de la si­tua­tion dra­ma­ti­que des ré­fu­giés hors des pay d'Af­ri­que du nord, d'Af­ri­que outre Sa­ha­ra et du moyen orient, qui cher­chent à ar­ri­ver à tra­vers la mer à la côte si­ci­lien­ne, par­ti­cu­liè­re­ment le point le plus mé­ri­dio­nal, ce qie est l'île de Lam­pe­du­sa.

Siehe auch: www.fedevangelica.it/index.php/it/ [it]
resp.: www.fedevangelica.it/index.php/en/ [en]


 

AASR — Associazione Amici Svizzera Riesi
(Verein der Schweizer Freunde des Servizio Cristiano – Riesi)

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